Beim Aufräumen bin ich über einen Artikel aus meinem ersten Blog LiFEcatcher gestolpert.
Vor acht Jahren habe ich dort beschrieben, was kompetente Frauen an sich zweifeln lässt. Und noch immer gibt es viele falsche Vorstellungen über Kompetenz.
Damals begegnete mir immer wieder der Gedanke:
„Wer kompetent ist, macht keine Fehler. Und wer keine Fehler macht, scheitert nicht.“
Oder zumindest, dass einem Misserfolge dann nichts ausmachen würden.
Heute spreche ich in meiner Arbeit nur noch selten über Kompetenz. Sie schwingt aber mit, wenn mir Kundinnen erzählen, dass ihnen Entscheidungen doch leichter fallen müssten, wenn sie nur wirklich gut in ihrer Arbeit wären.
Kompetenz wird dann als Eigenschaft verstanden. Etwas, das man hat oder auch nicht.
Und als etwas, das einem vor Zweifeln schützt.
Diese Sicht ist oft hilfreich, wenn wir in dieser Logik bleiben.
Wir erleben Erfolg, fühlen uns kompetent und brauchen nicht zweifeln.
Problematisch wird nur der Umkehrschluss.
Nämlich wenn wir vor einer neuen Frage stehen, zweifeln oder auch nur unsicher werden. Dann entsteht schnell die Idee, dass wir doch nicht kompetent oder erfolgreich sind. Logisch, solange wir glauben, dass unsere Gefühle uns die Wahrheit erzählen.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung beschreibt Kompetenz sinngemäß so:
Wir handeln in einer bestimmten Situation mit dem Wissen und Können, das wir haben.
Gemeint ist die beste Lösung, die wir hier und heute finden können.
Kompetenz hängt also immer von der Situation ab.
Sie ist nicht da, weil wir lange erfolgreich waren.
Sie ist auch nicht weg, wenn wir mal nicht weiter wissen.
Entscheidungen werden oft dann schwierig, wenn unsere Erfahrung keine klare Lösung zeigt. Wir stehen vor etwas, das wir so noch nicht erlebt haben.
Natürlich fühlen wir uns dann unsicher.
Das sagt jedoch nichts über uns als Menschen aus.
Nur, dass wir mit einer neuen Sache konfrontiert werden und für uns noch keinen Weg gefunden haben, damit umzugehen.
Und noch etwas stand schon damals im Artikel:
Kompetenz schützt nicht vor unangenehmen Gefühlen.
Auch die erfahrensten Unternehmerinnen grübeln, hadern und ärgern sich über Fehler.
Mit ihrem Können hat das nichts zu tun.



