Der Druck als Solo-Unternehmerin

Der Druck als Solo-Unternehmerin verschwindet nicht. Aber du kannst lernen, anders damit umzugehen, anstatt darauf zu warten, dass ihn dir jemand abnimmt.


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Ruhiges Wasser mit flachem Horizont im weichen Blau-Rosa-Licht. Titel: Der Druck als Solo-Unternehmerin.

Als Solo-Unternehmerin triffst du Entscheidungen, die niemand sonst treffen kann. Das klingt selbstverständlich. Und trotzdem unterschätzen die meisten, was das wirklich bedeutet.

Selbst wer ein kleines Team hat, entscheidet letztendlich allein. Doch die meisten arbeiten mit Spezialisten für einzelne Aufgaben oder einer virtuellen Assistenz. Bei den wirklich wichtigen Entscheidungen ist niemand für dich da.

Der Druck, der dabei entsteht, ist real. Und er ist anders als der Druck, den Angestellte kennen.

Kurz gesagt

Als Solopreneurin tragen wir allein die Verantwortung für das eigene Unternehmen. Jede Entscheidung landet bei uns selbst. Es gibt kein Team und kein Netz. Diesen Druck bilden wir uns nicht ein. Es ist die Struktur.

Dazu kommt noch der Druck, den wir uns selbst machen. Wir machen uns Sorgen oder haben Versagensängste. Dann hoffen wir heimlich, dass jemand kommt und es einfacher macht. So vergrößern wir die Last.

In diesem Artikel schauen wir, warum der Druck real ist, wie wir ihn verstärken und was sich ändern lässt.

Der Druck ist real

Druck ist nicht für alle gleich. Wie sehr wir ihn bemerken, hängt von der eigenen Situation ab. Aber er betrifft jede Solo-Unternehmerin.

Das Geld kommt nicht automatisch.

Als Angestellte kann man sich am Ende des Monats ziemlich sicher sein, dass man das Gehalt aufs Konto bekommt. Es ist der übliche Tausch von Zeit gegen Geld.

Größere Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern stehen in der Regel in engem Kontakt mit einer Bank. Viele haben eine flexible Kreditlinie und damit mehr finanziellen Spielraum.

Sowohl Angestellte als auch größere Unternehmen haben starke Partner und damit eine gewisse Sicherheit.

Die finanzielle Notwendigkeit für Solo-Selbständige ist unmittelbar und sehr direkt.
Sie merken sofort, dass ohne neue Kunden kein Geld reinkommt.
Der Druck entsteht aus dem Zwang, ständig verkaufen zu müssen.

Hier gibt es kein Netz und keinen doppelten Boden.

Wenn wir nicht arbeiten, arbeitet unser Business auch nicht mehr lange.

Ich kenne erfahrene Unternehmerinnen, die sich selbst mit einem kleinen, wirkungsvollen Team jahrelang keinen richtigen Urlaub gegönnt haben. Sie saßen stundenlang am Rechner und waren doch immer zu erreichen.

Die Verantwortung wird eben nicht auf mehrere Schultern verteilt. Es gibt kein Entscheider-Team und selten einen externen Berater.

Selbst wenn wir mit klugen Angeboten und funktionierenden Systemen gut vorausplanen, irgendwas ist immer. Dann müssen wir schnell reagieren und spontan entscheiden, wie es weitergehen soll. Einige Entscheidungen kann man nicht vorausplanen.

Als Solo-Unternehmerin arbeiten wir ohne Netz und doppelten Boden. Wir sind sehr nah am Markt und müssen schnell reagieren, ohne dass jemand für uns einspringt.

Wir machen den Druck größer als er ist

Es ist erstaunlich, was wir als Menschen aushalten. Nur durch den Luftdruck lastet ein Gewicht von durchschnittlich 17.300 kg auf uns. Normalerweise merken wir es nicht mal.

Ein Teil des Drucks ist selbst gemacht.

Genauso wenig bemerken wir einen Großteil der Belastung durch unsere Arbeit.
Wir rechnen mit ihr und sind daran gewohnt. Wir wissen, was von uns erwartet wird und können damit umgehen.

Kaum jemand hat damit gerechnet, wie sehr man innerlich wachsen muss, wenn man ein Business aufbaut. Nicht weil man wachsen will, sondern weil es die Situation mit sich bringt. Jede Entscheidung, jeder Rückschlag, jede Phase der Unsicherheit hinterlässt Spuren.

Denn zusätzlich zu den Anforderungen an uns ist da noch der ständige Dialog in uns.
Und er hört nicht auf.

Wir haben Vorstellungen und Erwartungen, die wir erfüllen wollen.
Wir sorgen uns, wie es wohl in Zukunft sein wird.
Wir befürchten, dass es nicht so weitergeht und wollen auf keinen Fall versagen.
Und manchmal erinnern wir uns wieder an Entscheidungen, die wir heute anders treffen würden oder die wir bedauern.

Drama ist das Salz in der Suppe.

Viele glauben, dass man den Druck braucht, um seine beste Leistung zu zeigen.
Zumindest höre ich das ständig in den Gesprächen mit meinen Kundinnen.
Ohne diesen Druck wären sie nicht so schnell, vielleicht sogar nachlässig und faul.

Tatsächlich sind wir so weit gekommen, obwohl wir uns den Druck machen.

Wir hören unsere eigenen Erwartungen und die, die von außen kommen, als inneres Gespräch. Als eine eindringliche Stimme in unserem Kopf, die von höher, weiter, schneller spricht und uns erschöpft.
Dabei hat sie eine gute Absicht und will uns eigentlich helfen.

Doch sie führt dazu, dass wir die Welt in schwarz-weiß sehen, in Kategorien von alles oder nichts denken und Situationen dramatischer wahrnehmen, als sie oft sind.
Zusätzlich zum realen Druck erzeugen wir Drama.

Ich vergleiche dieses Drama gerne mit Salz in einer Suppe. Wir brauchen ein wenig Salz, damit die Suppe aufregend gut schmeckt. Es bringt Würze.

Doch nur allzu leicht gewöhnen wir uns an den Geschmack. Dann brauchen wir immer mehr, damit es noch schmeckt. Ohne diese große Menge Salz, kommt uns die Suppe fad und langweilig vor.

Wir brauchen ein wenig Drama. Wir wollen uns pushen. Bis zu einem gewissen Maß. Darüber hinaus tut es uns einfach nicht gut.

Im Gegensatz zum realen Druck ist Drama hausgemacht. Wir können es bewusst einsetzen. In dem Maß, das uns nützt.

Wir warten heimlich auf Rettung

Manchmal wird die Belastung aber zu groß. Dann suchen wir nach einem Ausweg. Wir wünschen uns jemanden, der es uns einfacher macht. Jemanden, der uns rettet.

Einfache Lösungen wären so schön.

Eine meiner Mentorinnen Brooke Castillo erzählt gerne davon, wie sie manchmal alles hinschmeißen wollte. Es wäre so viel einfacher, wenn sie einen Job als Kellnerin in einem Diner annehmen würde.

Wenn der Druck zu groß wird, sehnen wir uns nach einfachen Lösungen.
Am liebsten hätten wir dann jemanden, der für uns entscheidet oder uns zumindest klar sagt, was zu tun ist.

Dieser Wunsch ist verständlich.
Es wäre ja so viel einfacher, wenn uns jemand aus unserer Situation retten würde. Wenn wir genau wüssten, was wie zu tun ist. Und nicht die Verantwortung dafür tragen müssten.

Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen ist tief in uns allen verankert und ganz normal.

Der weiße Ritter kommt nicht.

Der heimliche Wunsch nach Rettung ist auch gar kein Problem. Solange uns klar ist, dass weiße Ritter mehr als rar sind.
Vermutlich wird keine Rettung kommen. Aber Hilfe.

Und Hilfe kommt oft in unerwarteter Form.
Wir müssen nicht gerettet werden. Sobald wir das erkennen, sehen wir wieder, was wir selbst tun können. Wir starren nicht mehr nur in eine Richtung und blenden nicht mehr alles andere aus. Wir werden wieder selbst aktiv.

Tatsächlich suchen die meisten eher Erlösung vom Druck, als jemanden, der die Zügel übernimmt. Schließlich haben wir diesen Weg gewählt, weil wir mehr Freiheit und Selbstbestimmung wollten. Und ja, wir wollen auch die Verantwortung, auch wenn sie manchmal schwer ist.

Druck und Verantwortung gehören zusammen

Beim Abnehmen soll man möglichst schon am Vortag aufschreiben, was man am nächsten Tag essen will. Der Grund ist, dass man nicht aus Hunger oder Appetit spontan zu viel oder zu wenig isst.

Auch hier geht es um die Last durch Entscheidungen. Konkret möchte man Entscheidungsmüdigkeit vermeiden. Das ist der Moment, wenn der innere Druck zu groß wird. Man sucht Erleichterung, tut einfach, worauf man Lust hat, und übernimmt keine Verantwortung mehr für das, was man eigentlich will.

Wer die Freiheit will, zahlt einen Preis.

Es wird schon leichter, wenn wir nicht mehr gegen die Tatsachen ankämpfen. Wenn wir uns mit den Fakten auseinandersetzen.

Wer die Freiheiten haben möchte, bekommt den Druck der Verantwortung dazu.
Das ist kein Fehler im System, es ist das System.

When you argue with reality, you lose, but only 100% of the time.
Byron Katie

Egal, was wir tun oder nicht tun, es hat immer eine Konsequenz.
Und das ist gut so. Denn es ermöglicht uns, die Folgen zu wählen, die wir wollen. Wir können nicht alle Probleme vermeiden. Aber wir haben Einfluss darauf, worauf wir uns einlassen.

Bei Preis denken die meisten an Kosten. Doch Preis ist auch ein Gewinn.
Ob wir unsere Verantwortung als Last oder Geschenk sehen, bleibt uns ganz selbst überlassen. Die Frage ist nur, was wir wählen.

Wir haben uns für diesen Weg entschieden.

Wenn ich im Wasserbecken ein Schwimmbrett vor mich herschiebe und es dabei parallel zu meinem Körper halte, erzeugt das ziemlich viel Widerstand. Der Druck ist groß, den ich spüre. Kippe ich das Teil, verringere ich den Druck. Und ich kann leichter vorankommen.

Ein Teil des Widerstands bleibt, solange ich die Schwimmhilfe nutzen möchte. Ich kann damit gut trainieren. Aber ich brauche es mir nicht schwerer machen als notwendig, wenn ich eine Pause möchte.

Wir haben uns für ein Business entschieden. Die tatsächlichen Anforderungen an uns sind groß. Doch wir brauchen sie nicht noch vergrößern.

Statt gegen den Druck zu arbeiten, können wir ihn einkalkulieren. Wir resignieren nicht, wir sagen Ja dazu.

Das Leben als Solo-Unternehmerin war eine bewusste Entscheidung. Also akzeptieren wir auch den Druck, der automatisch mitkommt.

Den Umgang mit Druck kann man lernen

Druck setzt sich aus zwei Teilen zusammen, dem tatsächlichen und dem hausgemachten.
Jeder hat eigene Herausforderungen. Aber wir brauchen unter keinem zu leiden.

Wir machen es uns unnötig schwer.

Der tatsächliche Druck bleibt. Wir können ihn mit guter Planung und Organisation abfedern, aber er ist da.
Und was sich nicht ändern lässt, können wir akzeptieren.

Der hausgemachte Druck ist meistens belastender. Das liegt am Drama.
Wir grübeln, sorgen uns oder erstarren vor Angst vor der Zukunft. Wir stecken in Gedankenspiralen fest und wissen nicht weiter.

Das liegt daran, wie wir Situationen bewerten. Wir haben nicht gelernt, wie wir mit unerwünschten Gedanken und Gefühlen umgehen können.
Erst dadurch wird der Druck zur Last.

Der Druck ist unvermeidbar, Leiden nicht.

Ich spreche hier nicht vom körperlichen, sondern vom mentalen Leiden.
Es entsteht, wenn wir zu unseren unerwünschten Gefühlen noch eine zusätzliche Schicht an Bewertungen packen. Damit machen wir den Berg größer und schwerer zu bewältigen.

Unerwünschte Gefühle sind zum Beispiel Angst, Hilflosigkeit, Frust, Zweifel, Unsicherheit, Scham oder Verlegenheit. Alles, was wir lieber nicht spüren wollen. Für manche ist das auch Erfolg oder Stolz. Nicht jedes unerwünschte Gefühl ist offensichtlich unangenehm.

Nochmal. Der Druck, den wir spüren, ist real.
Doch es liegt an uns, wie wir ihn sehen, bewerten und mit ihm umgehen wollen.

Druck gehört dazu. Doch niemand muss darunter leiden.

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Astrid von Weittenhiller

Ich arbeite mit erfahrenen Solo-Unternehmerinnen, die Entscheidungen treffen müssen, die ihnen niemand abnehmen kann. Meine Arbeit beginnt, wenn keine Option eindeutig richtig ist.

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Ich teile persönliche Beobachtungen und Erlebnisse aus meiner Arbeit mit Solo-Unternehmerinnen, berichte über neue Artikel und informiere gelegentlich über Neuigkeiten zu meinen Angeboten.

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