Warum Entscheiden so viel Energie kostet

Du entscheidest täglich hunderte Dinge richtig. Nur die wichtigen kosten viel zu viel.


Author

Etwa 1 Minuten Lesezeit

Fassade eines Gebäudes mit horizontalen Rillen und einem runden Fenster in Blautönen.

Wir entscheiden täglich hunderte Dinge. Und doch gibt es immer wieder Themen, da kommen wir nicht zum Punkt.

Dann denken wir nochmal nach oder versuchen darüber zu schlafen. Doch beides hilft oft nicht. Dann haben wir zwar eine gute Lösung, doch wir vertrauen ihr nicht.

Solange wir keinen klaren Rahmen haben, steht jede Entscheidung auf wackeligen Füßen.
Und genau da hakt es.

Kurz gesagt

Entscheiden kostet so viel Energie, weil das innere Gerüst nicht mehr passt.
Wir können nicht schlechter entscheiden. Nur ist unser Business gewachsen und der innere Rahmen nicht im gleichen Maß. Das kostet unnötig Kraft.

In der Aufbauphase haben wir uns an Strategien und Methoden orientiert. Das war klug. Dabei haben wir einen Entscheidungsrahmen übernommen, der nicht wirklich unserer ist.

Wir schauen, wie das passiert, warum fremde Gerüste irgendwann zwicken und was ein eigenes ermöglicht.

Mehr Erfahrung macht Entscheiden nicht leichter

Im Grunde erwarten wir, dass mit der vielen Erfahrung die Entscheidungen im Business leichter werden. Schließlich läuft alles gut. Wir haben uns eine solide Struktur geschaffen.

Es heißt, kleine Kinder, kleine Probleme, große Kinder, große Probleme.
Und so scheint es auch mit einem Unternehmen zu sein.
Doch im Gegensatz zu Kindern liegt es nicht an der Pubertät oder deren Ansprüchen.

Die Probleme entstehen durch die Komplexität der Entscheidungen.
Das ist kein Zufall, sondern Teil des Wachstums.
Die meisten erfahrenen Unternehmerinnen kennen das.

Wir merken es am Grübeln.

Meistens merken wir an zwei Dingen, dass wir uns mit Entscheidungen schwer tun.

Zum einen fällt uns auf, dass wir immer wieder über die gleichen Dinge nachdenken. Manche grübeln endlos. Andere entscheiden und zweifeln sofort daran. Irgendwie kommen wir nicht zum Punkt.

Wir schlafen drüber. Und hoffen heimlich, dass wir im Schlaf die Eingebung bekommen, die uns die Lösung des Problems liefert.

Zum anderen fühlen wir uns unsicher oder sogar überfordert. Wir denken an die Konsequenzen, die Erwartungen, die Verantwortung.

Unsicherheit ist nur das Symptom.

Wir bemerken, wenn wir uns unsicher fühlen. Dann vermuten wir, dass wir auch unsicher sind. Und tatsächlich spielt Unsicherheit hier eine Rolle. Nur der Grund ist anders, als wir vermuten.

Bisher hatten wir eine klare Ausrichtung. Wir kannten unsere Strategie, wie wir unser Business aufbauen wollen. Alles war eindeutig auf Erfolg ausgerichtet, was immer wir auch darunter verstehen.
Damit hatten wir einen Rahmen, der unsere Entscheidungen bestimmt hat.

Doch nun kommt die Zeit, wo Erfolg nicht mehr so eindeutig definiert ist. Eine neue Strategie würde uns nur den Weg dorthin zeigen. Was fehlt, ist aber ein klares Ziel.

Die Unsicherheit entsteht, weil wir kein stabiles Gerüst mehr haben, wonach wir entscheiden sollen.

Wir entscheiden noch immer täglich.

Viele denken, dass ihre Fähigkeit zu entscheiden nicht mehr richtig funktioniert. Die Fakten beweisen das Gegenteil.
Wenn wir uns eine Arbeitswoche ansehen, bemerken wir eine große Menge an Dingen, die wir nach wie vor schnell und gut entscheiden.

Wir haben nicht die Fähigkeit verloren, nur unser Bezugsrahmen passt nicht mehr. Wir vermuten, dass die Lösung bei mehr Einfachheit oder einer anderen Strategie liegt.
Dabei ist das eigentliche Problem die fehlende Orientierung.

Doch schauen wir zuerst, was es gerade wirklich so schwer macht.

Früher hat Entscheiden funktioniert

Wer ein Business aufbaut, hat zwei wichtige Aufgaben:
Sein Angebot verkaufen und die Kaufenden zufriedenstellen.
Das ist nicht immer leicht, aber es ist einfach.

Dem einen Ziel ordnen wir alles unter. Wir wollen erfolgreich sein.
Die Richtung ist eindeutig.

Notwendigkeit und Bauchgefühl waren ein gutes Team.

Die Anfangsphase ist wie keine andere von Versuch und Irrtum geprägt. Wir wissen das und können uns darauf einstellen.

Wir haben aus Empfehlungen von Experten und Trainern das herausgepickt, was sich richtig anfühlte. Den Rest hat die Notwendigkeit entschieden.

Dabei brachte die Notwendigkeit das Tempo und das Bauchgefühl verhinderte, dass wir gegen uns selbst arbeiteten. Zusammen ergaben sie ein gut funktionierendes System.

Sich an anderen zu orientieren war klug.

In dieser emotionalen und arbeitsintensiven Aufbauphase orientieren wir uns an Vorbildern. Wir sehen bewährte Systeme, denen wir folgen können.

Natürlich gab es da auch schon schwierige Entscheidungen. Denn die Anzahl der Wege ist unglaublich groß und nicht jeder passt für uns. Doch wer sich hier auf erprobte Methoden verlässt, kann schnell und gut weiterkommen.

Wir wussten, wohin wir wollten.
Die Frage war eher, wie komme ich am schnellsten dahin. Und damit nach der Strategie.

Strategien liefern mehr als eine Methode

Wenn wir den anfänglichen Aufbau einmal erledigt haben, kommen andere Fragen auf uns zu.
Erhöhe ich meine Preise, biete ich was neues an, arbeite ich weiter mit den gleichen Personen und Kunden. Die Liste ist lang.

Das sind neue strategische Entscheidungen, die einen neuen Rahmen brauchen.
Und den haben wir noch nicht auf stabile Füße gestellt.

Strategien haben immer einen versteckten Rahmen.

Bisher hatten wir uns an bestehende Methoden gehalten. Uns ist dabei oft nicht klar, dass wir damit auch einen Entscheidungsrahmen bekommen.

In Methoden und Programmen wird eine eindeutige Richtung vorgegeben. Eben genau die Strategie wie wir von A nach B kommen. Und um dahin zu gelangen, braucht es klare Entscheidungen.

Dieser Rahmen wird nie ausdrücklich benannt, aber er muss vorhanden sein, damit die Strategie funktioniert.

Der Rahmen passt nicht mehr ganz.

Mit der Zeit fällt uns auf, dass wir uns in einer Struktur befinden, die nicht wirklich unsere ist.

Wir haben uns verändert und der Rahmen von der Stange passt nicht mehr richtig. Dazu kommt, dass wir als Unternehmerin sicherer werden und mehr von dem einbringen wollen, was uns ausmacht.

Und wie wir aus Kleidern rauswachsen, entwachsen wir auch aus dem fremden Rahmen für unsere Entscheidungen.

Baumspiegelungen auf ruhiger Wasseroberfläche in Blau- und Goldtönen. Reflections of trees on a calm water surface in shades of blue and gold.

Foto von You Le auf Unsplash

Fremde Gerüste zwicken irgendwann

Mit der Zeit wächst die Spannung.
Oft zeigt sie sich in Phrasen wie "ich sollte" oder "ich müsste". Wir wollen das eine, empfinden aber das andere als richtig.

Zögern und Zaudern sind keine Charakterschwäche.

Wer lange an den inneren Strukturen des Unternehmens gearbeitet hat, bemerkt das Zwicken nicht so schnell. Denn das Unternehmen funktioniert ja. Es läuft und sieht gut aus.

Nach außen ist nichts passiert. Nur innerlich funktioniert es nicht mehr ganz.
Ein nicht passendes Gerüst zeigt sich in Zögern, Zaudern und inneren Widerständen. Es führt zu Zweifeln und Unsicherheiten.

Dabei denken manche ans Impostor-Phänomen oder an den Dunning-Kruger-Effekt.
Das Impostor-Phänomen vermittelt uns den Eindruck, dass alles nur Zufall ist und wir in Wirklichkeit den Erfolg nicht verdient haben.

Der Dunning-Kruger-Effekt ist eigentlich, dass jemand mit nur grundlegenden Kenntnissen, glaubt viel mehr zu wissen. Erfahrene Menschen hingegen erkennen, wie viel sie noch nicht wissen. Das führt dazu, dass man immer weiter lernen möchte, um sich bereit zu fühlen.

Das geborgte Gerüst hat ausgedient.

Sowohl das Impostor-Phänomen als auch der Dunning-Kruger-Effekt vermitteln den Eindruck, dass die Entscheidungsprobleme an uns liegen.
Dass wir selbst daran schuld sind, wenn wir nicht zum Punkt kommen.

Dabei ist es nur ein Symptom und die logische Konsequenz für die Art, wie wir als Solopreneurin ein Unternehmen aufbauen.

Wir übernehmen viele Strategien, die aus der Erfahrung von anderen Menschen entstanden sind. Den vollständigen Hintergrund bekommen wir dabei nicht. Damit fehlt uns ein Teil der Information. Und die können wir nur durch eigene Erfahrungen bekommen.

Es liegt nicht an uns

Vor allem wir Frauen haben die Tendenz, Fehler zuerst bei uns selbst zu suchen.
Doch nichts ist falsch mit uns. Es liegt einfach am falschen System.

Nicht wir sind das Problem, sondern der Rahmen, den wir uns für eine Zeit ausgeliehen hatten.

Es wird Zeit, die fremden Entscheidungsgerüste hinter uns zu lassen.

Das eigene Gerüst war nie für diese Aufgaben gedacht.

Als ich nach dem Abi nach Wien gezogen bin, habe ich vieles zum ersten Mal gemacht. Ich hatte zum Beispiel noch nie ein Bett gekauft. Ich wusste nicht, was es gibt und was es kostet. Ich konnte einkaufen. Aber eine Matratze? Hatte ich noch nie besorgt.

Jede von uns hat sich bereits ein Entscheidungsgerüst gebaut. Es kommt aus unserer Lebenserfahrung und ist gut und stabil. Doch es ist nicht für die Aufgaben gebaut, die ein Unternehmen mit sich bringt. Genau deshalb haben wir uns eines ausgeliehen.

Und wenn das nicht mehr richtig passt, wird es Zeit, unser eigenes Gerüst zu stärken. Damit es stabil genug wird, um auch die aktuellen Herausforderungen zu schultern.

Wir verwechseln die Entscheidung mit der Umsetzung.

Dazu kommt noch ein anderer Grund, warum wir uns selbst die Schuld geben.

Wir denken, dass wir etwas falsch machen. Dabei ist die Entscheidung selbst nur der erste Schritt.

Oft haben wir schon ein gutes Gefühl dafür, was wir wollen. Doch die Ideen für die Umsetzung gefallen uns nicht. Deshalb denken wir tatsächlich oft über das "Wie" nach und glauben, es geht um die Entscheidung.
Dabei ist die Entscheidung das "Was" und vielleicht noch das "Wohin". Niemals das "Wie", also die Strategie.

Wer das Was vom Wie trennt, merkt oft, dass die Entscheidung längst gefallen ist.
Denn wenn wir über die Umsetzung nachdenken, kennen wir das "Was" bereits. Wir wollen es uns nur nicht eingestehen. Warum das so ist, beschreibe ich in Die Entscheidung ist gefallen. Du willst sie nur noch nicht sehen.

Ein Gerüst, dem du vertrauen kannst

Ein neues Unternehmen aufzubauen ist wie eine neue Sprache zu lernen.

Am Anfang haben wir mit Hilfe von Kursen, Trainern und öffentlich zugänglichem Wissen einen soliden Wortschatz aufgebaut. Wir haben Grammatik gelernt und wissen, wie man Sätze bildet. Wir könnten uns in dem Land schon ganz gut zurechtfinden.

Was uns noch fehlt, ist der spielerische Umgang mit der Sprache.
Wir wollen nicht nur sprechen, wir wollen Poesie.
Wir wollen nicht nur sagen, was wir brauchen, wir wollen uns selbst ausdrücken.

Und genau das wollen wir auch mit unserem Business.

Am Ende geht es um dein Ziel.

Wir wollen unserem Unternehmen unseren Stempel aufdrücken. Und wir wollen es zu dem machen, was wir uns erträumt hatten.
Für viele ist es finanzielle, zeitliche oder räumliche Freiheit, für andere eine Art Hinterlassenschaft an die Familie oder an die Welt.

Ein stabiles Gerüst ermöglicht dir Entscheidungen, die wirklich zu deinen Zielen passen und die dich nicht deine ganze Energie kosten.
Damit du deine Kraft tatsächlich für die Umsetzung frei hast.

Ein eigenes Gerüst ist so einzigartig wie das Business dahinter.

Ein Entscheidungsgerüst passt nicht für alle.

Es ist kein neues System. Es geht nicht um eine Strategie, die wieder nur das "Wie" zeigt. Und es liefert keine fertigen Antworten.

Ein Gerüst zeigt uns, woran wir uns orientieren und was wirklich passt. Es lässt uns erkennen, wenn wir gegen unsere Überzeugungen handeln wollen. Es ist spezifisch und konkret, auch wenn es keine eindeutig richtige Antwort gibt.

Wir entscheiden mit klarem Verstand und dem Vertrauen in unsere Intuition. Damit Entscheiden keine unnötige Energie mehr kostet.

Ich habe dazu ein Video gemacht. Es erklärt, warum mehr Nachdenken hier nicht weiterhilft. Und warum das nicht an dir liegt.
Schau es dir an. Es dauert keine 10 Minuten.

Titelfoto:

Mehr zu diesem Thema:

Das Grübeln um 3-Uhr morgens beginnt viel früher

Grübeln entsteht nicht, weil du nachts nicht schlafen kannst. Du grübelst, weil du tagsüber eine Entscheidung nicht abgeschlossen hast. Dein Kopf will deine Fragen beantwortet

Das Grübeln um 3-Uhr morgens beginnt viel früher

Astrid von Weittenhiller

Ich arbeite mit erfahrenen Solo-Unternehmerinnen, die Entscheidungen treffen müssen, die ihnen niemand abnehmen kann. Meine Arbeit beginnt, wenn keine Option eindeutig richtig ist.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Bleiben wir in Verbindung: Abonniere "Post von Astrid"

Einmal pro Woche schreibe ich über das, was mich beschäftigt. Meistens geht es um Entscheidungen, manchmal auch um Themen, die nur am Rande dazu gehören.

Ich teile persönliche Beobachtungen und Erlebnisse aus meiner Arbeit mit Solo-Unternehmerinnen, berichte über neue Artikel und informiere gelegentlich über Neuigkeiten zu meinen Angeboten.

Rechtliche Hinweise

Du kannst deine Einwilligung zum Empfang der E-Mails jederzeit widerrufen. Dazu findest du am Ende jeder E-Mail einen Abmelde-Link. Die Angabe deines Vornamens ist freiwillig und wird nur zur Personalisierung der E-Mails verwendet. Deine Anmeldedaten, deren Protokollierung, der E-Mail-Versand und eine statistische Auswertung des Leseverhaltens, werden über MailerLite verarbeitet, deren Server in Europa stehen. Deine Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Informationen dazu erhältst du in meiner Datenschutzerklärung.

>