Die Frage, die wir uns nicht mehr stellen

Viele erfolgreiche Solo-Unternehmerinnen hören irgendwann auf, sich zu fragen, was sie wirklich wollen. Der Alltag verdrängt die Frage, und das Gefühl, zufrieden sein zu müssen, erledigt den Rest.


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Nahaufnahme eines Tellers mit Kies und kleinen Steinwürfeln auf einer Betonoberfläche, daneben ein aufgeschlagenes Buch. Titel: Die Frage, die wir uns nicht mehr stellen. Was will ich.

Doch irgendwas passt nicht.

Meist beginnt es mit diesem nagenden Gefühl der Unzufriedenheit.
Viele tun es ab. Mein Standard-Satz war "Stell dich nicht so an."
Ich sollte zufrieden sein mit dem, was ich habe.

Diese leise Stimme ignorieren wir nur allzu gern. Doch das ist ein Fehler.

Kurz gesagt

Manchmal sind wir unzufrieden, obwohl wir ein erfolgreiches, gut laufendes Business haben. Irgendwas passt nicht mehr und wir wissen nicht genau, was es ist.

Der Grund ist, dass wir aufgehört haben, uns die wichtigste Frage zu stellen: Was will ich eigentlich?

Dieser Artikel zeigt, warum uns diese Frage schwer fällt, was dann passiert und was sich verändert, wenn wir sie uns stellen.

Wir vergessen leicht die wichtigste Frage

Bei Entscheidungen beginnt alles mit der Frage: "Was will ich?"

Auf den ersten Blick scheint die Antwort klar zu sein. Wir wollen mehr Geld, mehr Freiheit, mehr Glück, mehr Zeit, mehr Liebe und eine wilde Kombination daraus.

So übersehen wir, dass diese Frage viel mehr zu bieten hat, wenn wir ein wenig tiefer graben. Doch wir tun es oft nicht.

Der Alltagstrott ist zu stark.

Die meisten haben einen gut gefüllten Kalender. Es gibt ja immer viel zu tun.

Wir folgen den Empfehlungen der Zeitmanagement- und Produktivitätsexpertinnen. Wir planen und strukturieren unsere Arbeit. Dabei achten wir sogar drauf, nicht nur im, sondern auch am Business zu arbeiten. Wir wollen ja gut vorbereitet sein.

Und mit etwas Glück und gutem Willen, nehmen wir uns auch Zeit für die privaten Dinge.

Wir haben uns eine funktionierende Routine aufgebaut. Vermutlich könnte sie besser sein, aber sie passt und gibt Stabilität.

Das geht so lange gut, bis wir die Routine zum Korsett machen.

Ein Tag folgt dem anderen. Unvermittelt finden wir uns im Hamsterrad wieder. In einem Trott, der alles gut am Laufen hält, strukturiert und zuverlässig.

Und wenn alles läuft, passiert es schon mal, dass wir ohne zu denken weiter machen.
Es gibt ja keinen Grund, irgendwas zu ändern. Oder zumindest keinen dringenden.
Dringend sind gerade ganz andere Dinge.

Ich sollte doch zufrieden sein.

Dazu kommt noch ein unterschwelliges Gefühl.

Wir haben hart gearbeitet, um da zu sein, wo wir heute sind. Wir haben Zeit und Geld in Ausbildungen, Kurse, Strategien investiert. Wir haben uns auf den Aufbau gestürzt und dabei auf Dinge verzichtet, die für andere selbstverständlich sind.

Wir hatten ein Ziel und haben es erreicht.
Und wir sind stolz darauf. Zu recht.
Also dürfen wir jetzt nicht unzufrieden sein. Wir sollten glücklich und dankbar sein. Wir sind da, wo viele erst noch hin wollen.

Als wäre die Frage ein Zeichen von Undankbarkeit.

In dieser Situation haben viele den Eindruck, dass die Frage nicht erlaubt ist. Das stimmt aber nicht. Wir können zufrieden sein, glücklich und dankbar und dennoch mehr oder etwas anderes wollen. Das ist ein Zeichen von Wachstum.

Gedanken wie "ich sollte" oder "ich müsste" zeigen uns, dass wir mit bestimmten Erwartungen kämpfen, die unseren eigenen Wünschen entgegenstehen.

Was immer uns auch davon abhält, uns zu fragen, was wir wollen, langfristig erschaffen wir uns unerwartete Probleme. Vor allem, was Entscheidungen betrifft.

Ohne diese Frage verliert man die Orientierung

Lange Zeit war unser Ziel klar. Wir wollten ein erfolgreiches Business haben. Die gesamte Energie war darauf ausgerichtet.
Wir wussten, was wir erreichen wollten. Und die Zahlen zeigten uns, wo wir stehen.

Nun sind wir da und stellen fest, dass wir noch immer nicht zufrieden sind.
Das kann uns verunsichern. Irgendwas passt nicht, auch wenn wir nicht genau wissen, was das ist.

Wenn wir uns jetzt nicht bewusst neu ausrichten, hat das unerwünschte Konsequenzen.

Dann arbeiten wir gegen uns.

Wir brauchen Ziele, wenn wir wachsen möchten. Ein Ziel zu erreichen, bringt ein Gefühl von Erfüllung, Stolz und Zufriedenheit. Zumindest wenn es ein Ziel ist, das wir wollen und uns entspricht.

Doch es hat gravierende Folgen, wenn wir heimlich unzufrieden sind.
Als Solo-Unternehmerin sind wir Chefin und Angestellte in einem. Nur vergessen wir manchmal die Chefin.

Ohne Führung versinken wir in unserer Arbeit. Wir machen einfach irgendwie weiter.
Wir sind unzufrieden und ändern doch nichts. Eben, weil wir uns nicht fragen, was jetzt richtig für uns wäre.

Unzufriedenheit führt fast immer zu Lustlosigkeit.

Auch wenn es unser eigenes Unternehmen ist.

Das führt dazu, dass wir uns selbst sabotieren. Unbewusst arbeiten wir gegen die Situation, die uns einengt.
Lustlosigkeit lässt uns schludrig werden. Unzufriedenheit verleitet zu Fluchtfantasien.
Nichts davon hilft uns weiter, beides verändert nichts.

Dabei liegt es nicht an der Arbeit selbst. Es liegt daran, dass wir den Sinn vergessen haben.
Weil wir uns nicht mehr fragen, was wir wollen.

Oder wir finden kein Ende.

Manchmal ist die Reaktion die Flucht nach vorne.
Es ist der Versuch, die neue Leere mit Arbeit zu kompensieren. Die Zufriedenheit wieder zu spüren, die wir bisher durch den Erfolg im Business erlebt haben.

Wir vergraben uns in Arbeit und geben natürlich unser Bestes. Mehr, als wir haben.
Das ist verständlich. Denn dieser Bereich hat bisher nicht nur finanziell, sondern auch emotional genährt. Erfolg ist süß, Anerkennung tut gut.

Arbeit ist wichtig.

Wenn das aber alles ist, wirkt das restliche Leben eher schal und fühlt sich leer an. Arbeit ist eben nur ein Teil des Lebens.

Wir vernachlässigen dann womöglich Freunde, Familie, unsere Gesundheit, unser langfristiges Wohlbefinden.

Die Strategie, sich bei Unzufriedenheit noch mehr in Arbeit zu stürzen, funktioniert.
Nur kostet sie unverhältnismäßig viel.

Die Frage zeigt keine Schwäche

Die Frage, was wir wollen, war für mich wie für viele andere lange belastet.

Ich stamme aus einer Generation, wo Kinder noch nicht so einbezogen wurden. Wir wurden selten ernsthaft nach unserer Meinung gefragt oder an wichtigen Entscheidungen beteiligt.

Die einzige Frage dieser Art: „Was willst du denn mal werden.“
Eine Frage, die mich jahrelang regelmäßig überfordert hat. Ich wusste es nicht. Und durch den Druck, die richtige Antwort zu finden, wurde es auch nicht einfacher.

Später wurde stillschweigend erwartet, dass man immer weiß, was man will. Als ob die perfekte Antwort Teil der DNA wäre. Auch das war eine verpasste Gelegenheit, einen guten Umgang mit der Frage zu lernen.

Der Fokus lag auf der Antwort. Nie auf der Frage.

Meine heimliche Schlussfolgerung war, dass diese Frage irgendwie nicht in Ordnung ist.

In Wirklichkeit ist es keine Schwäche, wenn wir nicht wissen, was wir wollen.
Es zeigt, dass wir uns wichtig nehmen.

Wir stehen an einem Wendepunkt.

Wir brauchen für die Frage einen Termin mit uns selbst. Nicht als Luxus oder "nice to have", sondern als Notwendigkeit. Er verbindet uns wieder mit dem, was uns wirklich wichtig ist.

Denn Unzufriedenheit ist kein Charaktermangel. Sie ist ein Signal. Sie zeigt uns, dass etwas nicht mehr richtig funktioniert oder nicht mehr zu uns passt.

Wenn wir das erkennen, bietet uns die Frage eine neue Chance. Wir können damit neu und bewusst entscheiden.

Im ersten Schritt geht es nicht um eine Antwort. Es geht darum, dass wir uns öffnen und erkennen, was ist und was sein könnte.

Wir wählen unsere Richtung

Wir halten oft zu lange am Bestehenden fest, weil wir das Gute nicht loslassen wollen.

Ich stelle mir vor, dass ich auf der einen Flussseite stehe und durch eine Furt zur anderen Seite möchte. Meine Seite ist toll. Es ist alles da. Doch die andere Seite lockt mit aufregenden neuen Möglichkeiten.
Das Problem ist die unsichere Flussquerung, von der ich weiß, dass sie kalt, schwierig und ungemütlich ist. So wie jede Veränderung.

Deshalb lohnt es sich, die Frage zuzulassen.

Was will ich?

Alles beginnt mit dem Mut, uns dieser Frage ehrlich zu stellen.

Wir stärken, was gut ist.

Ungeduldig, wie viele von uns sind, wollen wir direkt loslegen. Alles muss sich ändern. Und zwar jetzt.

Wenn ich im Coaching die Frage stelle, bekomme ich eine Litanei, was nicht mehr sein soll. Ich fange dann früher an. Wir haben ja viel Arbeit reingesteckt, um da zu sein, wo wir sind. Daher schauen wir zuerst, was wir behalten wollen.

Das ist in der Regel viel mehr, als uns unsere Unzufriedenheit einflüstert.
Nicht alles ist schlecht, nicht alles muss sich ändern.

Vieles ist gut und erhaltenswert.
Das können wir schätzen und vielleicht sogar ausbauen.

Manches kann gehen.

Natürlich gibt es Dinge, die nicht mehr passen. Wir sind draus rausgewachsen.

Ich vergleiche es mit einer Inventur des Kleiderschranks. Manche Shirts sind nicht mehr modern, uns gefällt die Farbe nicht mehr, der Stil passt nicht mehr zu uns, oder der Schnitt ist nicht mehr gut.
Manche Shirts haben wir aus einer Laune gekauft und nie getragen. Manche waren ein Notbehelf.

Alles, was nicht mehr zu uns passt, kann gehen.
Ohne Reue, Frust oder Ärger. Es hatte einen Zweck, es hat uns genützt, und nun brauchen wir es nicht mehr.

Es sind oft nur Kleinigkeiten, die wir anpassen wollen.

In der Regel merken wir jetzt schon, dass es oft gar nicht so viel ist, was wir ändern wollen.
Der Frust führt dazu, dass wir dramatisieren und mehr schwarz als weiß sehen.

Selbst wenn wir einige entscheidende Änderungen haben möchten, ist es jetzt klarer.

Manchmal sind es wirklich nur Kleinigkeiten, die mehr Raum in unserem Leben haben sollen. Ein wenig mehr Zeit für Hobbies, eine Assistenz für mehr Freiheit, regelmäßige Date-Nights für mehr Nähe.

Ob es dabei um Änderungen im Unternehmen oder im Privaten geht, spielt keine Rolle. Das ist ja die Besonderheit bei Solo-Unternehmerinnen. Wir sind eine Person, in welchem Teil unseres Lebens auch immer.

Daher kann eine kleine Anpassung in einem Bereich eine größere Auswirkung in allen anderen haben.

Wir müssen nicht alles sofort ändern.

In der Regel bleiben noch ein oder zwei Themen übrig, die wir radikal ändern wollen.
Aber auch hier müssen wir nicht alles auf einmal angehen.

Wir haben inzwischen das Knäuel an Ideen und Wünschen entwirrt, an Dingen, die passen oder nicht.
Wir haben jetzt Klarheit, was bleiben darf, was gehen soll, was wir ein wenig anpassen wollen und was sich ändern muss.

Diese Klarheit zeigt uns das nächste Ziel.

Nicht immer können wir heute schon loslegen.

Vielleicht ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt oder uns fehlt noch etwas dazu.

Der Unterschied ist, dass wir inzwischen wissen, was wir wollen. Damit können wir leichter lernen, das zu akzeptieren, was wir gerade nicht ändern können.
Nicht, weil wir aufgeben, sondern weil wir bewusst sagen: Jetzt nicht.

Auch das ist eine gute Entscheidung.

Es beginnt mit einer einzigen Frage

Ein selbstbestimmtes Leben bedeutet, dass wir uns jeden Tag klar und bewusst entscheiden. Dabei ist es so verlockend, eher den fremden Erwartungen zu folgen und die eigenen Maßstäbe zu vergessen.

Die Frage "Was will ich?" gibt uns dann Halt und Orientierung.

Wir wissen dann wieder, was gut ist, was gehen darf, was wir ändern oder akzeptieren wollen.

Wir bestimmen selbst.

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Astrid von Weittenhiller

Ich arbeite mit erfahrenen Solo-Unternehmerinnen, die Entscheidungen treffen müssen, die ihnen niemand abnehmen kann. Meine Arbeit beginnt, wenn keine Option eindeutig richtig ist.

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