Grübeln entsteht nicht, weil du nachts nicht schlafen kannst. Du grübelst, weil du tagsüber eine Entscheidung nicht abgeschlossen hast.
Dein Kopf will deine Fragen beantwortet haben. Und wenn das nicht am Tag passiert, versucht er es nachts.
Leider löst mehr Nachdenken dein Problem nicht, solange du nicht wirklich entscheidest und Fragen offen lässt.
Was dich erwartet:
3-Uhr nachts und wieder wach
Es ist drei Uhr nachts. Und statt friedlich zu schlafen, liegst du wach und grübelst.
Den ganzen Tag hast du schon über diese eine Frage nachgedacht, das Thema von allen Seiten betrachtet. Doch du konntest dich noch nicht durchringen. Du bist noch immer nicht zu einem Ergebnis gekommen.
Und jetzt ist wohl der schlechteste Zeitpunkt dafür. Du solltest schlafen. Morgen musst du fit sein, da steht wieder ein Berg von Aufgaben an. Schlaf doch jetzt!
Doch das Grübeln hört nicht auf. Du wälzt dich von einer Seite auf die andere, genauso wie das Problem in deinem Kopf.
Nur, dass jetzt noch zusätzlich Frust und Ärger über die schlaflose Nacht dazukommen.
Viele befürchten, dass etwas nicht mit ihnen stimmt. Dass sie grübeln, weil sie nicht schlafen können. Dann versuchen sie ihr Schlafproblem zu lösen.
Sie lernen Meditationen, Atemtechniken und befolgen die hilfreichen Tipps zum En- und Durchschlafen.
Doch das Grübeln bleibt.
Es fängt tagsüber an
Als Solo-Unternehmerin treffen wir täglich kleine und große Entscheidungen. Wir müssen darin auch gut sein, da das meiste an uns hängt.
Oft können wir auf unsere Erfahrungen zurückgreifen.
Doch es gibt immer wieder Fragen, die wir nicht so leicht beantworten können. Wir wissen einfach nicht, was hier gut für uns wäre.
Das sind Entscheidungen, die uns schwerer fallen.
Im besten Fall denken wir einmal gründlich darüber nach und entscheiden dann.
Vielen geht es aber so, dass sie trotzdem noch zweifeln. Sie fragen sich noch immer, "was wenn...?" und "sollte ich nicht...?"
Dann haben wir den Eindruck, dass die Entscheidung erledigt wäre. Tatsächlich ist sie es aber noch nicht.
Offene Fragen kosten Kraft
Jede offene Frage kostet uns Kraft und Energie. Unser Gehirn will Fragen beantwortet haben.
Das ist das Problem mit Grübeln. Wir wollen wissen, wie es ausgeht. Aber wir können es noch nicht sagen.
Es ist das gleiche Prinzip, das TV-Serien nutzen.
Ein offenes Ende wirkt wie ein Sog. Wir können kaum aufhören. Wir wollen unbedingt wissen, wie es ausgeht. Die Cliffhanger verlangen fast, dass wir das nächste Mal wieder einschalten.
Hier wirkt der Zeigarnik-Effekt.
Er ist benannt nach der Psychologin Bluma Zeigarnik. Er beschreibt, dass unabgeschlossene Aufgaben und offene Fragen länger im Gedächtnis bleiben als abgeschlossene.
Unser Gehirn kann offene Fragen und Entscheidungen einfach nicht loslassen.
Wenn wir tagsüber etwas klar entscheiden, setzen wir einen Punkt.
Zweifel und Grübeln machen daraus nachts ein Fragezeichen.
Nachdenken und Grübeln unterscheiden sich
Nachdenken hilft uns, bestimmte Optionen zu sehen, Möglichkeiten zu bewerten und Konsequenzen zu erkennen. Es ist immer zielgerichtet und möchte ein Ergebnis haben.
Grübeln dagegen wirkt produktiv. Tatsächlich empfinde ich es als Nachdenken in Spiralen. Wir drehen uns im Kreis.
Der Duden beschreibt grübeln so:
Grübeln:
- seinen oft quälenden, unnützen oder fruchtlosen Gedanken nachhängen
- über eine Sache nachsinnen, um zu einer Lösung oder Klärung zu kommen
Im Halbschlaf wiederholt sich alles
Der zweite Satz trifft es nicht ganz.
Grübeln sucht keine konkrete Lösung, es will alles bedenken.
Besonders nachts und halb schlafend, haben wir unsere Logik runtergefahren.
Und so wiederholen wir immer und immer wieder die gleichen Gedanken und Bedenken.
Beim Nachdenken möchten wir Klarheit über eine Sache oder Entscheidung haben. Grübeln ist kein klarer Prozess. Es ist eher ein Wiederkäuen der immer gleichen Gedanken.
Mehr Nachdenken löst das Problem nicht
"Mehr hilft mehr" stimmt beim Grübeln einfach nicht.
Tatsächlich ist das etwas, das ich beim Thema Entscheidungen auch immer höre: "Ich muss nochmal darüber nachdenken. Ich brauche mehr Informationen."
Natürlich ist es wichtig, dass wir ein rundes Bild bekommen.
Doch neue Informationen bekommen wir selten, wenn wir nachts im Bett liegen. Ganz im Gegenteil, werden dann eher unsere Ängste und Befürchtungen lauter.
Damit meine ich nicht die nächtlichen Gedankenblitze der Intuition, die uns wichtige Hinweise schicken.
Ich meine den Teil unseres Gehirns, der unser Überleben sichert. Er will uns schützen und spielt alle möglichen Gefahren durch.
Beim Grübeln vergessen wir, dass jede Entscheidung immer auch unerwünschte Nebenwirkungen hat. Es gibt keine absolut positive Lösung.
Selbst wenn wir ein Jahr lang nachdenken würden. Gäbe es eine einfache und eindeutige Lösung, hätten wir sie schon längst gefunden.
Mehr Zeit ändert nichts daran, dass wir nicht wissen können, was in Zukunft passiert.
Grübeln erschafft eine Scheinwelt
Grübeln gaukelt uns vor, dass wir durch Nachdenken Klarheit bekommen.
Damit erschaffen wir uns eine Welt in unserem Kopf. Mit der Wirklichkeit hat sie jedoch nicht sehr viel zu tun. Erst die Entscheidung gibt den Impuls, den wir dann in der Realität überprüfen können.
Nachsinnen führt eben nicht zu einer Entscheidung. Es dreht sich im Kreis.
Grübeln lässt sich doch abschalten
Tagsüber ist es einfacher, das Grübeln auf die Seite zu schieben. Wir können uns leicht ablenken und meist gibt es genug zu tun, damit wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren.
Die Zeit löst dabei keine unerledigten Dinge, die sich in unserem Kopf abspielen. Wir lassen nur tagsüber seltener zu, dass wir uns damit beschäftigen.
Deshalb fühlt es sich nachts umso stärker an, wenn die geballte Kraft der offenen Überlegungen auf uns einströmt.
Mit einer bewussten Entscheidung beendest du die Diskussion. Und vereinbare mit dir, dass das jetzt auch nicht mehr zur Debatte steht.
Falls das nicht geht, kannst du das Thema verschieben. Mach dir klar, dass du diese Entscheidung jetzt nicht treffen wirst. Und wann du es tun wirst.
Das Grübeln verliert damit seine Grundlage.
Die Entscheidung ist damit gefallen, das Thema erledigt.
Denn das Grübeln hört nicht von selbst auf.
Es bleibt auch tagsüber da und kostet Kraft. Solange bis du genug hast und schließlich entscheidest. Und damit bewusst einen Schlusspunkt setzt.
Denn das 3-Uhr-nachts-Problem löst man am besten tagsüber.



