Ingrid war platt als sie zu mir ins Coaching kam. Sie hatte in einem Kurs an einer LinkedIn-Strategie gearbeitet, die auf hohes Volumen, direkte Ansprache und hohe Frequenz setzt. Sie hatte viel Energie reingesteckt und erste Erfolge gesehen.
Doch jeden Tag merkte sie, wie erschöpft sie sich nach der Arbeit daran fühlte. Nicht das zufriedene Erschöpft, sondern eine Leere. Und sie spürte, wie ihr das Projekt immer schwerer fiel. Doch trotz aller Anstrengung machte sie weiter.
Sie wollte mit mir ihren Widerstand überwinden. Doch wir fanden heraus, dass sie eigentlich mit dieser Strategie fertig war.
Die Entscheidung, damit aufzuhören, war schon längst gefallen. Sie hatte es sich nur noch nicht eingestanden.
Kurz gesagt
Oft ist eine Entscheidung schon längst gefallen. Wir erkennen es nur nicht.
Das passiert aus drei Gründen: Wir stehen innerlich nicht dahinter, wir mögen die Konsequenz nicht oder wir wissen nicht, wie wir sie rechtfertigen sollen.
Der häufigste Fehler dabei ist, dass wir die Entscheidung selbst mit der Frage verwechseln, wie wir sie umsetzen.
Wer das Was vom Wie trennt, merkt schnell, wie weit die Entscheidung schon ist.
Inhalt:
Warum wir uns Entscheidungen nicht eingestehen
Wenn wir Zeit, Geld oder Energie in etwas investieren, möchten wir einen Erfolg sehen.
Deshalb investieren wir immer weiter, obwohl die Kosten zu hoch bleiben.
Dieses Verhalten ist als "Sunk-costs-fallacy-Effekt" bekannt. Wir denken, wir haben schon zu viel investiert, um damit aufzuhören.
Deshalb spielen Spieler weiter und deshalb halten wir an Strategien fest, die nicht zu uns passen.
Doch es gibt noch mehr Gründe.
Du stehst nicht wirklich dahinter
Viel zu oft lassen wir uns von Menschen beeinflussen, die es vermeintlich besser wissen. Wir nutzen blind deren Strategien.
Jeder Weg funktioniert, wenn wir ihn funktionieren machen und es wirklich wollen.
Dafür gibt es viele sinnvolle und wertvolle Tipps. Ob sie auch für uns passen, ist eine andere Frage.
Das zu erkennen erfordert ein großes Maß an Ehrlichkeit mit uns selbst.
Nur so wissen wir, ob ein Widerstand daher kommt, weil die Idee nicht passt oder weil wir in irgendeiner Form Angst haben oder Unsicherheit spüren.
Oft ergibt eine Lösung logisch und objektiv Sinn, aber eben nicht für uns. Das ist kein Scheitern, sondern eine Entscheidung: Wenn wir nicht wirklich dahinter stehen, haben wir uns bereits dagegen entschieden.
Du magst die Konsequenz nicht
Jede Entscheidung hat Konsequenzen. Und ein Teil davon ist immer etwas, was wir nicht haben möchten. Das ist leider die schmerzliche Realität, die wir manchmal nicht wahrhaben wollen.
Es ist einfacher beim "ich weiß nicht" zu bleiben, wenn wir uns nicht mit den Folgen beschäftigen wollen.
Solange wir noch keine Entscheidung getroffen haben, befinden wir uns in einer Art Schwebezustand. Alles ist noch offen. Das bietet uns eine gewisse Vertrautheit und fühlt sich sicher an. Und wir können hoffen, dass es dieses eine Mal nur gute Konsequenzen hat.
Oft wissen wir schon, was wir wollen. Wir haben die Entscheidung schon gefällt. Aber nicht offiziell, damit wir uns weiter sicher fühlen können.
Du weißt nicht, wie du es rechtfertigen kannst
Wir wurden dazu erzogen, dass wir unsere Entscheidungen begründen können.
Tatsächlich hat Ellen Langer 1978 mit dem Kopier-Experiment herausgefunden, dass wir Bitten eher erfüllen, wenn eine Begründung danach kommt. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sinnvoll ist oder nicht.
Auch bei Entscheidungen, die nur uns betreffen, suchen wir nach einer rationalen Erklärung als Rechtfertigung für uns selbst.
Ein vages Gefühl gilt als unlogisch und wird als unzuverlässig abgetan.
Damit ignorieren wir, was Erfahrung und Intuition uns zeigen. Und verlieren eine verlässliche Informationsquelle. Wir zweifeln an unserer Entscheidung, statt zu ihr zu stehen.
Sich etwas eingestehen und entscheiden sind zwei verschiedene Dinge.
Entscheiden und umsetzen auch.
Die Entscheidung ist nur der erste Schritt
Wenn wir an Entscheidungen denken, haben wir sofort auch die Umsetzung im Kopf.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig wir über Entscheidungen wissen. Und das, obwohl wir täglich tausende von kleinen und großen Entscheidungen treffen.
Die meisten sind jedoch so klein, dass wir sie nicht einmal bemerken.
Vielleicht überlegen wir kurz, welche Socken heute passen oder ob der Kaffee noch zu heiß ist. Wir entscheiden für die blauen und dass wir noch warten. Und schon ist es vergessen.
Hier ist Entscheiden und Umsetzen so direkt miteinander verbunden, dass es uns wie ein einzelner Punkt vorkommt.
In Wirklichkeit sind es zwei Schritte
Doch selbst bei diesen kleinen Dingen, sind es zwei unterschiedliche Themen.
- Die Entscheidung - Was
- Die Umsetzung - Wie
Doch weil wir das nicht klar trennen, machen wir uns das Leben bei wichtigeren Dingen unnötig schwer.
Entscheiden kann einfach sein
Wenn wir ganz bewusst das Was und das Wie trennen, ist die Entscheidung viel einfacher.
Oft haben wir schon ein gutes Gefühl dafür, was wir wollen. Uns gefallen nur die Ideen für das Wie nicht.
Deshalb denken wir tatsächlich oft über die Umsetzung nach und glauben, es geht um die Entscheidung.
Wenn wir bemerken, dass wir an diesem Punkt sind, können wir davon ausgehen, dass die Entscheidung im Grunde schon erledigt ist.
Wir sehnen uns nach Sicherheit
Dazu kommt noch eine natürliche Tendenz, dass wir immer gerne genau wissen möchten, wie etwas passiert.
Ein Teil von uns möchte am liebsten heute schon alle Schritte kennen, die noch vor uns liegen. Das vermittelt ein Gefühl von Erleichterung und Sicherheit. Ich spreche dann von Wie-Sucht.
Die Frage nach dem Wie verhindert eine wichtige Erkenntnis: Das Was ist schon geklärt.
Jede Entscheidung setzt Energie frei
Die bewusste Trennung vom Was und Wie hilft uns in vielfacher Weise.
Zum einen können wir aufhören, die Entscheidung anzuzweifeln.
Wir verbrauchen keine unnötige Energie mehr, wenn wir uns eingestehen, was wir wollen.
Wir können diese Energie für Lösungen nutzen.
Wenn uns nicht gefällt, wie wir die Entscheidung umsetzen, haben wir jetzt die Möglichkeit, nach besseren Lösungen dafür zu suchen. Das ist anders, als wenn wir an der Entscheidung zweifeln. Denn jetzt sind wir klar in der Ausrichtung.
Wir erhalten zusätzlichen Freiraum.
Was viele übersehen ist, dass uns eine Entscheidung nicht dazu zwingt, dass wir gleich was tun. Wir können zuerst sinken lassen, was uns klar geworden ist.
Die Trennung vom Was und Wie hilft uns, nicht sofort jedem Impuls zu folgen.
Wir wissen, was wir wollen. Nun geht es um eine passende Strategie, für die wir nur einen ersten klaren Schritt brauchen.
Wer das Was vom Wie trennt, merkt oft, dass die Entscheidung längst gefallen ist.



